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Eröffnung des 9.Bundeskongresses
vom 10. –12. Mai 2013 in Alsfeld

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und liebe Freunde,

ch begrüße Sie und euch sehr herzlich zum 9. Bundeskongress der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe, mit dem wir gleichzeitig das 35-jährige Bestehen des Bundesverbandes begehen.

Dieser Kongress findet in der schönen Fachwerkstadt Alsfeld statt. Unsere hessischen Freunde haben sich mit großem Engagement für die Ausrichtung dieses Bundeskongresses eingesetzt. Dafür an dieser Stelle schon einmal ein großes Dankeschön.

Ich begrüße herzlich den Landrat des Vogelsbergkreises, Herrn Manfred Görig und Herrn Ralf Becker, den Bürgermeister der Stadt Alsfeld.
Beide richten gleich noch ein Grußwort an uns, dafür ganz herzlichen Dank vorab!

Weiter weise ich darauf hin, dass die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans und der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner, leider nicht an unserer Veranstaltung teilnehmen können. Frau Dyckmanshat uns ein schriftliches Grußwort zukommen lassen, dass Sie in der Kongressmappe finden. Das Grußwort von Sozialminister Grüttner ist im Programmheft abgedruckt. Der Hessische Sozialminister hat unsere Veranstaltung darüber hinaus mit einer Spende unterstützt.

Ebenso herzlichbegrüße ich die anwesenden Vertreter

  • des Gesamtverbandes für Suchtkrankenhilfe im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V.,
  • des Blauen Kreuz in Deutschland,
  • des Blauen Kreuzes in der Evangelischen Kirche
  • und des Kreuzbundes.

Sie alle werden wir gleich in unserer Talkrunde näher kennenlernen.

Ein Blick in die Anmeldungen hat mir gezeigt, dass wir auch sehr vielelangjährige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter aus Freundeskreisen und Landesverbänden unter uns haben. Freundeskreisarbeit lebt von diesem Miteinander: Menschen, die lange dabei sind und Menschen, die immer wieder neu hinzukommen.

Leider kann ich euch jetzt nicht alle persönlich erwähnen, aber ich hoffe, dass in den nächsten zwei Tagen doch das eine oder andere Gespräch mit euch möglich sein wird.

Stellvertretend erwähne ich jedoch:

  • Rolf Schmidt, Vorsitzender seines Freundeskreises Blomberg, einstiger Vorsitzender des Landesverbandes NRW, mein Vorgänger als Vorsitzender des Bundesverbandes und unser heutiger Ehrenvorsitzender.

Weiter erwähne ich:

  • Josef (Beppo) Meier aus Neumarkt, der mit seiner Ehefrau Elisabeth anwesend ist und
  1. Günter Hoffmann aus Braunschweig.

Beide haben über Jahre die Arbeit im geschäftsführenden Vorstand im Bundesverband mitbestimmt.

Schön, dass Ihr da seid!

Grüße habe ich auszurichten von ehemaligen Vorstandsmitgliedern, die heute leider nicht anwesend sein können:

  • Ilse Bräuer-Wegwerth aus Ratzeburg,
  • Gisela Heinzmann aus Besigheim und
  • Helmut Löhner aus Rheda-Wiedebrück.

Erwähnen möchte ich schließlich noch unsere Förderer, die es uns ermöglicht haben, diese Veranstaltung in dieser Form durchzuführen. Wir haben Sie alle genannt in einer entsprechenden Auflistung, die Sie in der Tagungsmappe finden.

Wir treffen uns an diesen Wochenende unter dem Motto „Miteinander in Bewegung – Das Morgen beginnt mit dem Gestern“. Die Idee der Freundeskreise kann nur wachsen und sich entfalten, wenn die Menschen in den Freundeskreisen bereit sind, sich zu bewegen und sich auf neue Entwicklungen in der Gesellschaft einzustellen. Miteinander in Bewegung bedeutet vor allem geistig in Bewegung zu sein, alte Themen zu überdenken, neue Erfahrungen zu reflektieren, bereit sein sich neu zu orientieren und auszurichten, Verantwortung zu übernehmen, Toleranz gegenüber anderen Sichtweisen zu haben und sich selbst zu hinterfragen.

Wir alle kommen aus einem „Gestern“, das mit unseren heutigen Leben wenig gemein hat. Egal ob Angehöriger oder Abhängiger -betroffen sind wir alle von einer Suchterkrankung. Gemeinsam und jeder für sich, trifft in dieser Zeit Entscheidungen um mit einer Suchterkrankung klar zu kommen. Diese Entscheidungen wirken bis in unser heutiges Leben und sie werden auch unser Handeln in der Zukunft beeinflussen.

Die Entscheidung zur Abstinenz war grundsätzlich schon einmal eine gute Entscheidung. Doch wir wissen mittlerweile auch: Abstinenz ist nicht alles, wir sind erst danach gefordert worden, uns mit Fragen auseinanderzusetzen: Was macht uns wirklich frei? Was bringt uns eine innere Zufriedenheit? Nur wenn wir hier Antworten finden, erreichen wir heute und in der Zukunft ein zufriedenes Leben.

Genau hier, fängt für mich das eigentliche Wirken der Freundeskreise an. Im Prinzip ist es so, wie bei der Metallherstellung. In einen Schmelztiegel werden sämtliche Bestandteile für die benötigte Legierung zusammengefügt, durch das Erhitzen verändern die Zutaten ihren Aggregatszustand, danach kann alles in die passende Form gegossen werden. Zum Schluss muss noch die Feinbearbeitung erfolgen, und danach hat man das optimale Endprodukt. Wir bezeichnen diesals selbstbestimmtes Leben oder zufriedene Abstinenz.

Nur, so einfach wie sich diese Prozedur anhört, ist sie beileibe nicht. Zuallererst bedarf es jemanden, der sich freiwillig in den Schmelztiegel begibt. Wir waren alle schon einmal in diesem Schmelztiegel. Von daher wissen wir, dass es darin auch sehr unangenehm werden kann. Letztendlich hockt man sich erst dann rein, wenn das nötige Vertrauen in das Können der Freundinnen und Freunde vorhanden ist.
Spätestens jetzt sollten sich alle Beteiligten bewusst sein, mit welcher Legierung und Form gearbeitet wird und welches Endprodukt entstehen soll. Es ist aber sehr wichtig, dass sich die Person, die im Schmelztiegel sitzt, auch klar äußert zu dem, was sie fühlt und umsetzen will. Der gemeinsame Erfahrungsaustausch mit den Freundinnen und Freunden zeigt dann, was möglich ist oder nicht und wo es eventuell Alternativen bedarf. Die Legierungen in unseren Gruppen bestehen nicht aus Metallen, sondern aus Liebe, Mut, Zuversicht, Selbstbewusstsein, Vertrauen und all den anderen Zutaten, die für ein selbstbestimmtes Leben, frei von Suchtmitteln nötig sind.

Um den Prozess in Gang zu setzen benötigt es Wärme. Diese Wärme entsteht durch das Feuer, das in uns brennt. Dieses Feuer muss aber wohl dosiert sein. Ist die Wärme zu gering, kann es zu keinem Schmelzprozess kommen. Ist die Wärme zu hoch, wird irgendwann der Schmelztiegel explodieren.

Bei „unseren Schmelzprozessen“ -auf Gruppen- wie auf der Verbandsebene - kommt es immer wieder einmal vor, dass wir durch unsere Leidenschaft für die Sache, den Schmelztiegel bis kurz vor der Explosion erhitzen. Dann hilft auch kein Eis zur nötigen Abkühlung. Ich denke mal, aus diesen Erkenntnissen heraus ist der Weise Satz entstanden: Man muss auch mal was stehen lassen können. Das kann ich gut nachvollziehen, denn freiwillig langt keiner an den Schmelztiegel.

Hat die Legierung die passende Temperatur, kann alles in Form gegossen werden. Aber auch dieser Vorgang muss behutsam begangen werden. Man darf nicht zu schnell und auch nicht zu langsam gießen. Die Form muss optimal vorbereitet sein, damit es nicht zu irgendwelchen Einschlüssen kommt, die das Endprodukt schwächen oder die weitere Bearbeitung unmöglich machen.

Zu guter Letzt kommt die Endbearbeitung - je nach Oberflächengüte, Toleranzen, Form, Art der Legierung und dem Verwendungszweck des Produktes. Entweder kommt jetzt der große Schmiedehammer, oder es kommen hochpräzise Schleifmaschinen zum Einsatz.

Für all diese Schritte gemeinsam gilt: Man benötigt ein großes Wissen und das wird Generationen weitergegeben und weiterentwickelt. Selten beherrscht ein Einzelner alle Arbeitsschritte gleichermaßen gut, erst die Arbeit in einem Team bewirkt es, dass komplexe Vorgänge gemeinsam gut geleistet werden.

Jedem einzelnen von uns sollte jedoch bewusst sein, dass es immer wieder auch für einen selbst an der Zeit ist, sich in einen Schmelztiegel zu begeben, damit meine ich: Jeder sollte von Zeit zu Zeit über sich, seine Ziele und das Erreichte in seinem Leben nachdenken.

Woran erkennt man, ob das Endprodukt gelungen ist. Beim ersten Einstieg in den Schmelztiegel sind alle, die den Prozess begleiten, Vorbilder. Mancher wird sogar zum Denkmal erhoben. Das muss uns – die wir bereits länger in den Gruppen tätig sind – bewusst sein und damit sollten wir verantwortungsvoll umgehen.

Nach dem erstem Formungsprozess -manchmal auch erst nach weiteren Formungsprozessen -stellt man fest, dass kein Mensch fehlerfrei ist und dass Harmonie nicht bedeutet, immer der gleichen Meinung zu sein.

Das hat meistens zur Folge: Die Vorbilder werden jetzt kritisch hinterfragt, was jedoch vollkommen in Ordnung ist. Es ist Aufgabe derjenigen in den Gruppen, die die Rolle der Vorbilder und Denkmäler zugewiesen bekommen, sich mit dieser Zuweisung kritisch auseinanderzusetzen und selbst zu überprüfen: Wie gehe ich ganz persönlich mit dieser Rolle um. Dadurch entsteht ein Prozess in der Gruppenarbeit, den wir uns wünschen. Persönlichkeit kann reifen und es entsteht die Grundlage für ein eigenes selbstbestimmtes Leben.

In unserem Verband gibt es nicht nur erfreuliche Gegebenheiten. Viele fragen sich: Wozu Mitgliedsbeiträge? Was bekomme ich für mein Geld. Diese Fragen sind berechtigt. Aber unsere Gemeinschaft funktioniert nicht, wenn wir ein Profitunternehmen daraus machen. Es lässt sich nämlich nicht mit barer Münze aufwiegen, was der Einzelne für sich aus der Gemeinschaft mitnimmt. Das sind Werte, die man nicht kaufen kann. Mitgliedschaft in unserem Verband bedeutet: Sich mit der Freundeskreis-Idee identifizieren und sie auf allen Ebenen mittragen.

Freundeskreisarbeit funktioniert auch nicht, wenn bei Konflikten oder Meinungsverschiedenheiten mit dem Austritt aus dem Freundeskreis, dem Landesverband oder dem Bundesverband gedroht wird. Persönlich habe ich in solchen Fällen immer das Gefühl, dass dies Freundinnen oder Freunde sind, die ihr Gestern und die Unterstützung, die sie auf ihrem Weg in eine bessere Zukunft erfahren haben, schlichtweg vergessen haben.
Ich denke, wir haben die Pflicht, uns mit solchen Verhaltensweisen auseinanderzusetzen. Nur sollten wir uns nicht zu stark davon beeinflussen lassen. Sonst gehen wir Kompromisse ein, die unserer Gemeinschaft nicht gut tun und wo Vertrauen auf der Strecke bleibt.

Unsere Gemeinschaft braucht den Mut, in solchen Fällen auch sagen zu können: Wenn du Freundeskreis nicht haben willst, dann kannst du gehen und dein Glück anderswo versuchen. Wir sollten uns nicht verbiegen vor Menschen, die die Gemeinschaft nicht wollen.

Ich wünsche diesem Kongress einen guten Verlauf und erhoffe mir für unsere Gemeinschaft neue Impulse für unsere Arbeit mit den Menschen, die von Sucht als Abhängige oder Angehörige betroffen sind.

Eine gute Zeit uns allen hier in Alsfeld!

Ich gebe nun weiter an Jacqueline Engelke, die uns mit ihrer kompetenten und charmanten Artbereits mehrfach durch unsere Veranstaltungen geleitet hat.

Herzlichen Dank

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