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So kann eine Gruppenstunde in den Freundeskreisen aussehen

Wolfgang hat eine typische Suchtkarriere hinter sich. Alles fing so harmlos an: Dann und wann wurde gefeiert, natürlich mit Alkohol, abends nach der Arbeit das Gläschen zur Entspannung. Jede Situation, ob Ärger oder Freude, wurde Anlass zum Trinken. Schließlich merkte Wolfgang, dass der Alkohol ihn voll im Griff hatte. Auch an seiner Arbeitsstelle blieb dies nicht verborgen – es wurde ihm nahegelegt, etwas zu tun. Sonst drohe der Verlust des Arbeitsplatzes.

Als auch seine Frau ihn verlässt, rafft Wolfgang allen Mut zusammen und ruft die Telefonnummer an, die er von der innerbetrieblichen Suchtberatungsstelle erhalten hatte. Der Mann am Telefon stellt sich vor: „Ich bin Peter Müller und hatte vor zwei Jahren selbst ziemliche Probleme mit Alkohol.“ Der Gesprächspartner wirkt aufgeschlossen und zugewandt und lädt Wolfgang zur nächsten Gruppenstunde ein. Er soll, wenn möglich, eine Viertelstunde vor Beginn da sein.

Es ist das erste Mal überhaupt, dass Wolfgang sich aufgerafft und ganz konkret etwas unternommen hat, um Hilfe für seine Probleme zu finden. Er hat Angst vor dem, was auf ihn zukommt und was ihn erwartet.

Peter, der Ansprechpartner in der Gruppe, begrüßt ihn herzlich, freut sich aufrichtig, dass Wolfgang gekommen ist. Er begleitet ihn in den Gruppenraum und erklärt dabei, was den Freundeskreis auszeichnet: „Jeder ist freiwillig da. Alle haben in irgendeiner Weise Probleme mit Suchtmitteln. Wir sprechen in der Gruppe darüber. Du kannst zuhören. Wenn du willst, kannst du dich natürlich auch zu Wort melden. Alles ist freiwillig. Es gibt nur eine wichtige Regel, an die sich alle halten müssen: Was in der Gruppe gesprochen wird, bleibt im Raum, nichts darf nach außen getragen werden. Sonst kann man nicht vertrauensvoll von sich sprechen.“

Wolfgang merkt, dass er sich nicht mehr so allein fühlt. Er setzt sich zu den anderen in den Stuhlkreis und will erst einmal nur zuhören. Die Sitzung wird eröffnet, einer aus der Gruppe moderiert das Gespräch. Er begrüßt alle Anwesenden und bittet, jeder möge in einem Satz sagen, wie es ihm geht und ob er ein Problem besprechen möchte. Heute abend wollen mehrere Personen ein Problem einbringen:

  • Christian will sich bei einem neuen Arbeitgeber vorstellen, und er weiß nicht, wie und ob er seine Suchtkrankheit ansprechen soll.
  • Karin ist noch nicht lange in der Gruppe. Sie ist sehr unruhig und wartet auf einen Therapieplatz. Sie weiß nicht, wie sie die Zeit bis dahin ohne Stoff überstehen soll.
  • Ein Paar hatte in der letzten Gruppenstunde über Beziehungsprobleme gesprochen und möchte berichten, wie es ihnen in der Zwischenzeit ergangen ist.

Christian schildert sein Problem zuerst. Die Gruppe hört aufmerksam zu. Einzelne berichten von eigenen Erfahrungen in einer ähnlichen Situation. Es entwickelt sich ein lebhaftes Gespräch, in dem Christian Ermutigung erhält und sich für ihn eine Perspektive entwickelt, wie er sich im Vorstellungsgespräch verhalten könnte.

Wolfgang hört zu, er wird ruhiger, beginnt, sich im Kreis wohl zu fühlen. Er merkt, wie jeder Einzelne mit seinem Problem ernst- und angenommen wird. Einiges wühlt ihn aber auch auf; es sind Dinge, die so auch auf ihn zutreffen. Aber er traut sich nicht, sich am Gespräch zu beteiligen.

Am Schluss der Gruppenstunde fragt Peter Wolfgang, wie es ihm während des Gesprächs ergangen ist. Wolfgang sagt, dass ihn vieles berührt habe, und er Zeit brauche, über alles nachzudenken. Er möchte zur nächsten Gruppenstunde wiederkommen. Die Gruppenmitglieder freuen sich darüber, sein Nachbar gibt ihm die Hand und bedankt sich, dass er gekommen ist. Wolfgang ist stolz darauf, den ersten Schritt getan zu haben. Er spürt, dass er es vielleicht schaffen kann...

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