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Süchte - Zahlen und Fakten

Legale Suchtmittel sind das größte Problem!

Der Suchtmittelkonsum in Deutschland ist in den letzten Jahren nahezu gleich geblieben. Erfolge bei der Reduzierung des Alkohol-, Tabak- und Cannabiskonsums Jugendlicher und junger Erwachsener in den vergangenen acht Jahren sind zum Stillstand gekommen bzw. haben sich sogar ins Gegenteil verkehrt. Seit 2008, spätestens seit 2010, steigen Alkohol- und Cannabiskonsum bei jungen Menschen wieder an. Selbst beim Tabakkonsum ist der Erfolgsindikator „Nie-Rauchende“ nicht mehr durchgängig im Aufwärtstrend. Die Zahl der nie-rauchenden jungen Frauen ist seit Langem erstmals wieder gesunken, und zwar um 4,5%.

Alkohol

Alkoholkonsum ist nicht nur neben Tabak, Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung einer der Haupt-Risikofaktoren für mangelnde körperliche Gesundheit, Übergewicht und geringere Lebenserwartung sowie erhöhtes Schlaganfall- und Krebs-Risiko, Alkohol birgt neben erheblichem Suchtpotenzial auch die Gefahr des Rauschtrinkens bis hin zum Delirium oder Koma sowie der Selbst- und Fremdgefährdung durch gewaltsames und unkontrolliertes Verhalten im betrunkenen Zustand. Begünstigend hinzu kommt, dass Alkoholkonsum in vielen Ländern, darunter auch Deutschland, trotz seiner Gefahren hohes gesellschaftliches Ansehen hat und seit Jahrhunderten fester Bestandteil der Ess- und Feier-Kultur ist. Die führt dazu, dass der Konsum verherrlicht, die Risiken verharmlost und freiwilliger Verzicht auf Alkohol als unnormal abgewertet werden. Gleichzeitig werden trotz des positiven Ansehens von Alkohol abhängige Menschen stigmatisiert und herabgewürdigt.

Der Alkoholkonsum in Deutschland ist im internationalen Vergleich sehr hoch. Er lag im Jahr 2015 bei 9,6 Liter reinem Alkohol pro Person, bei Personen ab 15 Jahren sogar bei 10,7 Litern. Bier ist nach wie vor das meistgetrunkene alkoholische Getränk in Deutschland (in Litern), auch wenn der Verbrauch leicht zurückgegangen ist. Der Weinkonsum ist im selben Maße gestiegen wie der Bierverbrauch gesunken ist. Der Verbrauch je Einwohner von Schaumwein und Spirituosen ist gleich geblieben.

Die 12-Monats-Prävalenz für problematischen Alkoholkonsum liegt bei den 18-64-Jährigen insgesamt bei 21,1%, bei Männern sogar bei 32,4%. Das heißt, ein Drittel der Männer im erwerbsfähigen Alter betreibt einen riskanten und schädlichen Alkoholkonsum. Sowohl der regelmäßige Konsum als auch die 30-Tage-Prävalenz und die 30-Tage-Prävalenz des Rauschtrinkens steigen in allen Altersgruppen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen – bis auf die Altersgruppe der ganz Jungen zwischen 12 und 15 Jahren – und dies z.T. auf Werte, die über denen des Jahres 2005 liegen. Bei allen Konsumindikatoren liegen die männlichen Jugendlichen vorn.

Die Ausgaben für die Bewerbung alkoholischer Getränke in den klassischen Werbegattungen sind im Jahr 2010 ebenfalls gestiegen, und das um beachtliche 11,5%.

Die gesundheitlichen Folgen von Alkoholkonsum sind schwerwiegend: Insgesamt 3,38 Mio. Erwachsene in Deutschland sind von einer alkoholbezogenen Störung in den letzten zwölf Monaten betroffen (Missbrauch: 1,61 Mio.; Abhängigkeit: 1,77 Mio.). 74.000 Todesfälle werden jährlich durch Alkoholkonsum oder den kombinierten Konsum von Tabak und Alkohol verursacht. Bei 322.608 Menschen wurden 2016 die Diagnose „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol (F 10)“ gestellt.

Tabak

Rauchen ist in Industrienationen das größte Gesundheitsrisiko und das größte Risiko für vorzeitige Sterblichkeit. Gesundheitliche Probleme, die infolge von Tabakkonsum entstehen können, beinhalten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Atemwege und Krebs. Zudem wirkt sich Tabakkonsum negativ auf Körperfunktionen wie Immunsystem, Stoffwechsel, Sehfähigkeit und Fruchtbarkeit sowie auf Knochen, Zähne und Augen aus.

Im Jahr 2015 rauchten 31% der 18- bis 64-jährigen Männer und 26% der Frauen der gleichen Altersgruppe.

Der soziale Status spielt beim Tabakkonsum eine große Rolle. Männer und Frauen mit niedrigem sozialem Status sind häufiger Raucher/-innen als solche mit hohem Sozialstatus. Am stärksten ausgeprägt ist das soziale Gefälle bei der Verbreitung des Rauchens unter den Frauen zwischen 30 und 44 Jahren: Während 51% der Frauen mit niedrigem Sozialstatus in dieser Altersgruppe rauchen, sind es bei denen mit hohem Sozialstatus nur 21,6%.

In den letzten Jahren hat es einige Fortschritte bei der Prävention von Tabakkonsum gegeben: Der Anteil rauchender Jugendlicher hat sich in den vergangenen 10 bis 15 Jahren um zwei Drittel verringert, die Raucherquote bei Erwachsenen ist seit 2003 um etwa 30 Prozent gesunken, der Anteil der Mütter, die während der Schwangerschaft rauchen, hat sich in den letzten 10 bis 15 Jahren halbiert. Dennoch bleibt genug zu tun: Im Jahr 2013 stieg der Verbrauch von Fertigzigaretten nach zwischenzeitlich rückläufiger Tendenz wieder an, 2016 ging er um 7,75% zurück. Rückgänge beim Konsum von Fertigzigaretten werden jedoch durch den Konsum von billigerem Feinschnitt ausgeglichen. Hier zeigt sich, dass eine inkonsistente Besteuerung zu Ausweichverhalten bei den Konsumenten und Konsumentinnen führt. Das Besteuerungssystem hat hier noch Überarbeitungsbedarf.

Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko in Deutschland und führt zu jährlich etwa 120.000 vorzeitigen Todesfällen.

Tabakkonsum verkürzt das Leben um durchschnittlich etwa zehn Jahre. Mehr als die Hälfte aller regelmäßigen Raucherinnen und Raucher stirbt vorzeitig an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, Lungenkrebs oder einer anderen Atemwegserkrankung. Jeder zweite vorzeitige Todesfall tritt bereits im mittleren Lebensalter ein und wäre vermeidbar.

Ähnlich wie beim Alkohol ist es ein naiver Irrglaube, dass geringer Konsum die Schäden und Risiken minimiert. Aktuelle Studien haben ergeben, dass bereits der gewohnheitsmäßige Konsum von einer Zigarette pro Tag das Risiko für eine koronare Herzkrankheit (KHK) verdoppelt und das Risiko für einen Schlaganfall fast verdreifacht.

Wie beim Alkohol sind auch beim Tabak die Ausgaben für Werbung, Marketing und Sponsoring in den letzten Jahren gestiegen, und das um beachtliche 15,3%. Angesichts der wissenschaftlichen Belege für den Zusammenhang von Werbung und Rauchen eine zutiefst beunruhigende Nachricht.

Medikamente

Konservativen Schätzungen nach sind 1,4 bis 1,5 Mio. Menschen in Deutschland abhängig von Medikamenten mit Suchtpotenzial. Andere Schätzungen gehen sogar von bis zu 2,3 Millionen Menschen aus. Darauf kommt noch einmal die doppelte Anzahl von Menschen, die Medikamente missbräuchlich einnehmen - deren Zahl wird auf rund 4,61 Millionen geschätzt. Zudem hat der problematische Medikamentengebrauch in allen Altersstufen und bei beiden Geschlechtern zugenommen - bei Männern von 2,6 auf 3,6% seit dem Jahr 2000, bei Frauen im selben Zeitraum von 4,1 auf 5,5%.

Der größte Anteil der Arzneimittelabhängigen stammt aus der Altersgruppe der über 40-Jährigen. Von den arzneimittelabhängigen Frauen sind ca. zwei Drittel sogar über 65 Jahre alt. Zudem hat der problematische Medikamentengebrauch in allen Altersstufen und bei beiden Geschlechtern zugenommen. Ältere Menschen sind stärker gefährdet, medikamentenabhängig zu werden, da der Medikamentenkonsum mit zunehmendem Alter steigt und gesundheitliche Probleme und Risiken, denen mit Medikamenten entgegengewirkt bzw. vorgebeut wird, zunehmen. Über 65-Jährige machen zwar nur 22% aller gesetzlich Versicherten aus, konsumieren aber 56% aller verordneten Medikamente.

Etwa sechs bis acht Prozent der viel verordneten Arzneimittel besitzen ein Suchtpotential. Aber nicht alle Medikamente, die ein Suchtpotential haben, sind verschreibungspflichtig. So gibt es eine Vielfalt an Schmerzmitteln mit den Wirkstoffen Kodein und Koffein, die aufgrund ihrer aufputschenden Wirkung zu einer Abhängigkeit führen können. Nur vier der 20 meistverkauften Schlafmittel (nach Packungsmengen) haben kein Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotenzial.

Alle psychotrop wirkenden Arzneimittel, z.B. Benzodiazepine und codeinhaltige Medikamente oder auch Stimulantien, sind rezeptpflichtig. Dennoch wird ein großer Teil dieser Mittel nicht wegen akuter medizinischer Probleme, sondern langfristig verordnet und dient der Vermeidung von Entzugserscheinungen.

Illegale Drogen

Deutschland gehört mit geschätzten vier Konsumenten mit problematischem Drogenkonsum pro 1.000 Einwohner im Alter von 15 bis 64 Jahren zu den Ländern mit einer niedrigen Prävalenz. Dennoch ist der Anteil junger Erwachsener, die Cannabis, Kokain, Amphetamine oder Ecstacy konsumieren, in Deutschland recht hoch.

Cannabis ist nach wie vor die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Deutschland. Laut Drogenaffinitätsstudie (DAS) von 2015 konsumierten 6,1% aller Jugendlichen und 8,1% aller Erwachsenen Cannabis in den letzten 12 Monaten. Die Drogenaffinitätsstudie (DAS) 2015 gibt für die Jugendlichen eine 12-Monats-Prävalenz von insgesamt 6,6% an.

Insgesamt ist die Mehrzahl der Konsumindikatoren bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Aufwärtstrend. Kokain, Ecstasy und Amphetamine sind bei Erwachsenen stärker verbreitet als bei Jugendlichen. Hier beträgt die 12-Monats-Prävalenz bei den Erwachsenen 0,8 bzw. 0,7%, während sie bei den Jugendlichen bei 0,2 bzw. 0,4% liegt. Die Drogenaffinitätsstudie (DAS) von 2015 ergab, dass mehr als jeder vierte Erwachsene (28,2%) und rund jeder zehnte Jugendliche (10,2%) in ihrem Leben mindestens einmal illegale Drogen konsumiert haben.

Glücksspiel

Der Umsatz der legalen deutschen Glücksspiel-Branche (ohne Soziallotterien) wächst nach wie vor. 2015 stieg er um 3,9% auf 40,3 Milliarden Euro. Nach der zuletzt 2015 durchgeführten Prävalenzstudie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist bei 0,42% der deutschen Bevölkerung (241.000 Personen) ein problematisches Spielverhalten und bei 0,37% (215.000 Personen) ein pathologisches Spielverhalten feststellbar.  

Quellen:

  • DHS Berlin/Hamm, 12. April 2017
  • DHS Jahrbuch Sucht 2016 / 2017 /2018
  • Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2015 - 2018

Weblinks: