Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe Bundesverband e. V.

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Regeln für das Gespräch in Sucht-Selbsthilfegruppen

Oberstes Ziel für das Miteinander in einer Sucht-Selbsthilfegruppe ist, ein Klima zu schaffen, in dem sich Menschen angenommen fühlen und sich trauen, offen über ihre Probleme zu sprechen. Eine Hilfe dabei kann sein, dass sich Gruppen Regeln geben, nachdenen das Gruppengespräch verlaufen soll. Ruth C. Cohn hat mit der Themenzentrierten Interaktion (TZI) eine Methode erarbeitet, die auf das Gruppengespräch in der Sucht-Selbsthilfe angewendet werden kann. TZI orientiert sind an den menschlichen Grundbedürfnissen: Sie spricht den Menschen in seinem rationalen Denken und seiner Gefühlswelt an und stellt eine Beziehung zu seinen sozialen Kontakten her. Bei TZI dreht sich alles um drei Beziehungspunkte: ES (das Thema), ICH (das Individuum) und WIR (die Gruppe). Es geht stets um die Herstellung einer Balance zwischen den drei Punkten.

Daraus wurden die Regeln für das Gruppengespräch abgeleitet:

  1. Übernimm für Dich im Gruppengespräch Verantwortung und versuche, das zu empfangen, was Du für Dich aus dem Gruppengesprächmitnehmen willst und das den anderen zu geben, was Du ihnen von Dir und Deinen Erfahrungen mitgeben möchtest. Richte Dich nach Deinen Bedüfnissen im Blick auf das Thema.
  2. Bestimme selbst, wann Du sprechen und wann Du schweigen möchtest. Sage nur das, was Du wirklich sagen willst und nicht das, von dem Du glaubst, dass es die anderen hören möchten. Gestehe dieses Recht auch den anderen zu.
  3. Es können nicht alle auf einmal reden, da niemand mehreren Menschen auf einmal konzentriert zuhören kann. Wenn mehrere Gruppenteilnehmer(-innen) auf einmal sprechen wollen, muss eine Lösung gefunden werden.
  4. Störungen haben Vorrang! - Störungen bewirken, dass Du nicht imstande bist, dem zu folgen, was in der Gruppe vorgeht. Deshalb teile mit, wenn Du angespannt, ärgerlich oder zerstreut bist. Damit hilfst Du Dir, das, was Dich im Moment beschäftigt zu bewältigen, und Du kannst Dich wieder auf das Thema konzentrieren.
  5. Seitengespräche stören das Gruppengespräch, aber oft sind sie ganz wichtig. Unterbrich das Gruppengespräch und gib damit die Möglichkeit, das alle anderen Gruppenteilnehmer(-innen) am Thema des Seitengesprächs teilhaben können. Danach ist auch wieder eine Konzentration auf das Thema möglich.
  6. Sprich nicht per „man" oder „wir", sondern per „ich", wenn Du etwas von Dir selbst sagen möchtest. „Man" oder „wir" ist unpersönlich, und oft steckt hinter der Benutzung dieser unpersönlichen Verallgemeinerung ein Sich-Verstecken oder ein Sich-Drücken vor der individuellen Verantwortung. Außerdem kannst Du nie für einen anderen Menschen sprechen.
  7. Wenn Du eine Frage stellst, so sage den anderen, warum Dich diese Frage beschäftigt. Denke daran, dass es stets besser ist, eine persönliche Aussage zu machen. Manche Fragen sind unecht, und es werden indirekt Ansprüche an die anderen Gruppenteilnehmer(-innen) gestellt.
  8. Beachte die Signale, die Dein Körper aussendet. Es ist z.B. nicht möglich, total verkrampft dazusitzen und zu sagen, dass es Dir gut geht. Versuche, echt zu sein. Achte auch auf Signale, die die Körper der anderen Gruppenteilnehmer(-innen) aussenden.

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