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„Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe bekannter machen“ - Praktische Öffentlichkeitsarbeit

Es gibt Verbände, deren Namen jeder schon mal gehört hat. Wenn das Buchstaben-Kürzel „AA“ auftaucht, wissen die allermeisten Menschen sofort, was sich dahinter verbirgt. Man muss es neidlos anerkennen: Die Anonymen Alkoholiker verfügen weltweit über einen Bekanntheitsgrad, von dem andere Selbsthilfegruppen nur träumen können. Wie kommt das? Arbeitet „AA“ soviel besser oder erfolgreicher als andere? Bestenfalls das Blaue Kreuz ist hierzulande noch bekannt. Aber wieso muss man den meisten Zeitgenossen, die keine Suchthilfe-Insider sind, erst umständlich erklären, was es mit den Freundeskreisen für Suchtkrankenhilfe auf sich hat? Wieso kennt uns keiner?

Stärken und Schwächen

Die Fakten nüchtern zu analysieren, war eine der ersten Aufgaben, die sich der Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit zum Projektstart vorgenommen hatte. Im September 2017 ging es los: Beim ersten Arbeitstreffen blickten die AK-Mitglieder Ingrid Jepsen, Manfred und Gertrud Kessler, Catherine Knorr, Wolfgang Staubach, Elisabeth Stege, Ute Krasnitzky-Rohrbach (Suchtreferentin) und Projektleiter Lothar Simmank auf die Stärken und Schwächen des eigenen Verbands – und schauten dabei auch über den Tellerrand. Wie präsentieren wir uns selbst? Und wie machen es die anderen?

Bescheidene Außenwirkung

Der Ist-/Soll-Vergleich per Checkliste stellte fest, dass bei den Freundeskreisen die Öffentlichkeitsarbeit nach innen durch den Einsatz diverser Medien gar nicht schlecht funktioniert: Zeitschriften, Broschüren, Bücher und persönliche Treffen informieren sachgerecht und stellen den Menschen in den Mittelpunkt. Ebenso die Chats, die bewusst niedrigschwellig anonymen Kontakt ermöglichen. Allerdings ist die mediale Außenwirkung oft bescheiden: Mangels kontinuierlicher Pressearbeit und öffentlicher Statements, wie sie bei anderen Bundesverbänden üblich sind, und bedingt durch die dezentrale Verbandsstruktur kommen die Freundeskreise in überregionalen Medien kaum vor. Der eigentlich sympathische und zeitgemäße Sucht-Überwindungsansatz „Freundschaft“ kommt daher in der breiten Öffentlichkeit nicht rüber. Die Analyse des AK: Das Problem „Sucht“ steht als Defizit im Vordergrund. Dabei müsste der Erfolg von Sucht-Selbsthilfe dargestellt werden.

Kommunikationsziel

Als Kommunikationsziel für eine Imagekampagne, die im nächsten Jahr bundesweit anlaufen soll, formulierte der AK eine simple Formel: „Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe – offen für dich. Herzlich willkommen!“ In dem Projekt soll es also darum gehen, den Namen „Freundeskreise“ mit Leben zu füllen – plausibel für Menschen innerhalb und außerhalb der Freundeskreise. Betroffene sollen in die Gruppen eingeladen werden – offensiver als bisher. Doch wie nähern wir uns diesem Ziel strategisch? Leichter gesagt als getan! Bei dem Arbeitstreffen wurden hierzu zahlreiche Ideen gesammelt. Unter anderem soll in 2018 ein Reader mit „Best practice-Modellen“ aus der Arbeit der Freundeskreis-Gruppen vor Ort erscheinen, das einladende Beispiele zum Nachmachen empfiehlt.

Best Ager ins Visier nehmen

Für wen sollen diese Angebote eigentlich sein? Natürlich für alle – aber folgt man dem Rat der Experten, muss man Werbemaßnahmen auf bestimmte Zielgruppen konzentrieren, sonst funktioniert es nicht. Als Zielgruppe für das Freundeskreis-Projekt wurde die Generation der „Best Ager“ ins Visier genommen – Menschen über 50. Den AK-Mitgliedern ist klar, dass viele Freundeskreise eine Überalterung beklagen und gern mehr Jüngere in ihren Reihen sähen. Aber, so das Votum der Mitarbeitenden, man muss den Realitäten ins Auge sehen: Freundeskreisen mit einem Altersdurchschnitt um die 60 kann es nicht gelingen, glaubhaft eine jugendgemäße Kampagne ins Leben zu rufen.

Die Empfehlung lautet also: Menschen mit Suchtproblemen im Alter „50 plus“ werden sich bei den Freundeskreisen am besten aufgehoben fühlen. Ihnen sollen in der Kampagne Perspektiven für ein Leben ohne Suchtmittel angeboten werden, freilich ohne Jüngere auszublenden. „Sucht und Alter“ ein Zukunftsthema, bei dem viel bewegt werden kann und das im Bereich der Sucht-Selbsthilfe noch brachliegt und daher (auch den Kostenträgern) förderungswürdig erscheint.

Exkursionen: documenta und Caricatura

Kreative Phasen wurden beim ersten und auch beim zweiten Arbeitstreffen im November eingeschoben: Zum einen beschäftigten wir uns mit Bildern und der Frage: Wie kommt man zu guten Fotos? Der Arbeitskreis schwärmte mit Kameras zu einem Fotoworkshop aus auf das Gelände der Weltkunstausstellung documenta 14. Hier gab es viele spannende Motive einzufangen, wie die Auswertung der Teilnehmer-Fotos zeigte.

Unter der Fragestellung „Humor und Sucht – passt das zusammen?“ besuchten wir im November die Kasseler Caricatura-Galerie für komische Kunst, wo wir durch eine Ausstellung mit Werken der Karikaturistin Katharina Greve geführt wurden, und entwickelten anschließend Kriterien für den Einsatz von witzigen Elementen in der Werbung für die Freundeskreise. Die Erkenntnis: Lachen baut Brücken. Wenn ein Verband den Ruf genießt, humorvoll zu sein, gewinnt er leichter die Aufmerksamkeit der Zielgruppe. Humor, gekonnt eingesetzt, ist deshalb ein wichtiger Imagefaktor.

Viel gelacht wurde auch bei einer kleinen Videoproduktion, in der die Mitglieder des AK Öffentlichkeitsarbeit in ihrer jeweiligen Mundart erzählten, warum sie bei den Freundeskreisen mitmachen: Vom Saarland über Schwaben bis hin zum hohen Norden kamen in dem Film Stimmen zu Gehör, die auf unterhaltsame Weise eine große Vielfalt unter Beweis stellten.

Kampagne mit Video, Magazin und neuen Angeboten

Alles gut und schön, zwei Arbeitstreffen – ein gelungenes Vorspiel! Aber irgendwann muss der Schritt auf die große Bühne getan werden: Wie kann eine Kampagne aussehen, die im Jahr 2019 die Freundeskreise bundesweit bekannter macht? Folgende Maßnahmen schlägt die Arbeitsgruppe vor, um ein größeres Publikum emotional, sachlich und aktivierend anzusprechen.

Erstens: Ein professionelles Werbevideo (ca. 30 Sekunden) soll auf humorvolle Weise den Namen „Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe“ in den Mittpunkt stellen. Der Film soll im Internet auf möglichst vielen Freundeskreis-Webseiten und auf einem eigenen youtube-Kanal zu sehen sein und darüber hinaus in der lokalen Kinowerbung eingesetzt werden – mit Einblendung der jeweiligen Freundeskreis-Adresse vor Ort und einer „Landing-Page“ zur Aktion im Internet, die Interessenten an Landesverbände und Ortgruppen weitervermittelt.

Zweitens: Ein Printmagazin, das breit gestreut wird, und ein Erklärvideo sollen über den spezifischen Ansatz der Freundeskreise informieren, nämlich: Wie können Selbsthilfe + Freundschaft Sucht überwinden? Über gedruckte Sachinformationen lassen sich Themen am glaubwürdigsten vermitteln. Und ein leicht verstehbares Video kann das Prinzip der Selbsthilfe am besten verdeutlichen.

Und drittens: „Freundschaft leben“ muss Programm und Schwerpunktthema im Jahr 2019 sein. Nur wenn auf allen Verbandsebenen konkrete Angebote für neue Besucher laufen, können Interessenten, die über die verschiedenen Medienkanäle angesprochen werden, in die Gruppen aufgenommen und integriert werden und dort selbst erleben, was „Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe“ sind. Ob dies gelingt, daran wird letztlich der Erfolg einer Kampagne hängen.

Lothar Simmank, Projektleiter

Das Projekt „Freundeskreise bekannter machen – Praktische Öffentlichkeitsarbeit“ wird im Rahmen der Selbsthilfeförderung nach § 20 h Sozialgesetzbuch V finanziert durch die BARMER.

Gewährleistungsansprüche gegenüber der Krankenkasse können daraus nicht erwachsen. Für die Inhalte und Gestaltung ist der Bundesverband der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe verantwortlich.